HRR-Strafrecht

Mai 2000
1. Jahrgang

Online-Zeitschrift für höchstrichterliche Rechtsprechung im Strafrecht

Herausgeber: Dr. h.c. Gerhard Strate · Redaktion: Rocco Beck, Ulf Buermeyer, Karsten Gaede, Stephan Schlegel (Webmaster)

III. Strafverfahrensrecht (mit Gerichtsverfassungsrecht)


BGH 1 StR 607/99 - Beschluß v. 8. März 2000 (LG München I)

Rechtsmittelverzicht; Absprachenpraxis; Deal; Willensbeeinflussung; Verletzung der Verteidigungsinteressen; Dissens

§ 302 Abs. 1 Satz 1 StPO

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1. Einzelfall eines rechtswirksamen Rechtsmittelverzichts als Gegenstand der Absprache im Strafverfahren.

2. Zur Frage, wie sich verfahrensrechtliche Mängel einer Absprache auf einen damit zusammenhängenden Rechtsmittelverzicht auswirken.

3. Die Verletzung der für die Führung der Verhandlungsgespräche aufgestellten Vorgaben kann nur dann zur Unwirksamkeit eines abgesprochenen und tatsächlich erklärten Rechtsmittelverzichts führen, wenn der Verfahrensmangel zu einer unzulässigen Willensbeeinflussung bei Abgabe der Verzichtserklärung geführt hat. Liegt weder ein einen möglichen Irrtum des Angeklagten auslösender Dissens oder eine Drohung noch eine Verletzung seiner Verteidigungsinteressen vor, ist der Rechtsmittelverzicht wirksam, auch wenn er Teil einer Absprache ist.

BGH 2 StR 430/99 - Beschluß v. 17. März 2000 (LG Köln)

Zulässige Berichtigung der Urteilsformel bei Zählfehler

§ 260 StPO

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Ein Zählfehler (= Fehler allein bei der Zählung der tatsächlich abgeurteilten Fälle) darf berichtigt werden, wenn er für alle Verfahrensbeteiligten offensichtlich ist und seine Behebung darum auch nicht den entfernten Verdacht einer inhaltlichen Änderung des Urteils begründen kann.

BGH 1 StR 33/00 - Beschluß v. 29. Februar 2000 (LG Memmingen)

Absolute Beweiskraft des Protokolls; "Konnexität zwischen Beweistatsache und Beweismittel"; Beweisantrag auf Vernehmung eines Zeugen; Hilfstatsache; Bedeutungslosigkeit

§ 274 StPO; § 244 StPO; § 244 Abs. 3 Satz 2 StPO

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1. Die absolute Beweiskraft des Protokolls (§ 274 StPO) bezieht sich nicht auf die Begründung von Anträgen.

2. Ein auf die Vernehmung eines Zeugen gerichteter Beweisantrag verlangt sowohl die Behauptung einer konkreten Tatsache als auch die Behauptung, daß der Zeuge diese Tatsache aus eigener Wahrnehmung bekunden kann. Darüber hinaus muß erkennbar sein, weshalb der Zeuge überhaupt etwas zu dem Beweisthema bekunden können soll. In Fällen, in denen sich dieser Zusammenhang nicht von selbst versteht, ist die "Konnexität zwischen Beweistatsache und Beweismittel" näher darzulegen (BGHSt 43, 321, 329 f. m.w. Nachw.).

BGH 4 StR 287/99 - Beschluß vom 21. März 2000 (OLG Naumburg)

Zulässigkeit der Vorlage; Entscheidungserheblichkeit; Fahrlässige Nichtzahlung des Mindestlohns

§ 121 Abs. 2 GVG; § 5 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. § 1 Abs. 1 Arbeitnehmer-Entsendegesetz-AEntG; § 79 Abs. 3 Satz 1 OWiG; § 9 Abs. 1 Nr. 1 OWiG

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Eine Vorlegung nach § 121 Abs. 2 GVG ist unzulässig, wenn der Gesetzgeber den Inhalt einer zunächst unterschiedlich ausgelegten Vorschrift durch einen neuen Gesetzgebungsakt klargestellt hat. (BGHSt)